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Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (I)

Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (I)
Beitrag von Hans Butmaloiu
Die Quelle ist: ADZ Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien/Karpaten-Rundschau, der Erscheinungszeitraum war Mai 2015, Hans Butmaloiu ist Redakteur der Karpaten-Rundschau/Kronstadt (KR).

Der Wandel von Quartalen zu Stadtteilen Kronstadts im Zeitraffer

Die Frage im Titel vorliegendes Beitrags stellte sich als über eine Nachricht, welche sich auf das Stadtviertel „Tractorul V“ bezog, in unserer Redaktion gefachsimpelt wurde, ob dieser Stadtteil als selbständiges Viertel oder nur als die Bezeichnung eines Bauvorhabens betrachtet werden kann. Die schnellste Lösung – nach der Antwort zu googeln – brachte mehrere völlig unterschiedliche Antworten, von denen sich die meisten als irreführend erwiesen: zwischen 12 und 18 Stadtviertel, je nachdem, ob die Aufzählung von Werbeseiten für Tourismus, Immobilienentwicklern oder der Stadtverwaltung selbst kommt.
Demnach unternahmen wir eine gründlichere Suche die mit dem Band „Kronstadt“ (Erster Band, Verlag Burzenländer Sächsischen Museum, herausgegeben von Erich Jekelius, 1928) begann und wo sich eine Aufzählung der Stadtteile mit Straßennamen befindet: als Quartale (von quarta pars = ein Viertel eines Ganzen) von 1500 angegeben sind: Catharinae, Petri, Porticae und Corporis Christi. Die Aufteilung betraf damals die Straßenzüge innerhalb der Stadtmauern, fügte jedoch jedem der vier Teile auch einige Straßen der Vororte hinzu, jedoch nicht alle. (Bild 1)
Eingehender mit der Unterteilung Kronstadts in die Stadtviertel der Inneren Stadt und der Vorstädte: Bartholomä, Altstadt und Blumenau, befasst sich Gernot Nussbächer in dem fünften Band der Reihe der „Corona Hefte“. Hier befinden sich auch Pläne der Aufteilung in Quartale (später Stadtviertel) von 1500, 1800 und 1910 aus denen die Richtungen hervorgehen in welche sich Kronstadt entwickelte und weiterentwickelt. War diese Entwicklung bis etwa 1800 langsam, so beschleunigte sie sich mehr und mehr, zeitgleich mit der industriellen Entwicklung, für welche enge Stadttore und Mauern nicht mehr Schutz, sondern Einengung bedeuteten.   
Nach 1800 beginnt die - anfangs zaghafte, später beschleunigte - Verlegung des handwerklichen Gewerbes, teilweise in die Langgasse und Hintergasse, doch massiv und flächendeckend in die Blumenau wo sich auch die besten Vorgaben einer Ausweitung bieten. Ursprünglich als kleine Siedlungsoase auf den ältesten Stadtplänen dargestellt, finden wir sie - als die Stadtbegrenzung in dieser Richtung noch der Kurutzenwall bildete – 1796 auf einem Stadtplan schon mit Straßenzügen und Parzellen. Die Schankgasse mit ihrer Verlängerung der Brückengasse endete bei der Brücke  über den Tömöschkanal, heute „Ceasul Rau“.
Damit wurde der einst ärmste Stadtteil zum Ausgangspunkt der Entwicklung aus zwei ausschlaggebenden Gründen: der Tömöschkanal der eine natürliche und billige Energiequelle und Kanalisation darstellte und das Gelände war nur schütter bebaut und lag nahe an den zwei Wohnvierteln Altstadt und Innere Stadt von wo Arbeitskräfte kamen.
Bald wurde der Mühlenberg vollständig in die bebaute Fläche eingeschlossen, der Schlossberg war es seit längerer Zeit und um den Schneckenberg herum siedelten sich – auch am Tömöschkanal - Klein- und Großunternehmer an. Die Brüder Schiel gaben ihre Metallwerkstatt neben dem schon geschleiften Schwarzgässer Tor auf, genauso wie die Buntmetallgießerei von Teutsch die ihrige neben dem Kühmarkt. Die Schiel-Werke wurden zum Kern der späteren Hidromecanica und aus der Teutsch-Gießerei wurde die Werkzeugfabrik IUS. Aus der Blumenau heraus, bildeten sich zwei Wachstumsrichtungen: eine kanalabwärts, bis Bartholomä und eine kanalaufwärts, Richtung Dîrste, wo das Ballungsgebiet der Schwerindustrie entstehen sollte.
   Hier nur einige der Fabriken die in Kronstadt im ersten Zuge der Industrialisierung entstanden, mit ihrem Gründungsjahr. Die zweite Jahreszahl entspricht entweder der Enteignung oder aber, dem Jahr bis zu welchem der ursprüngliche Name beibehalten wurde, bzw. die Fabrik von einer anderen übernommen wurde:  
- Lederfabrik M. Schlandt (1901-1949)
- Prifaro Kronstadt (Sägebänder)(1926-1948)
- Lederfabrik Brüder Miess (1899-1948)
- Metrom Kronstadt(1935-1949)
- Hettmann/Metaloductil Kronstadt (1920-1956)
- Seewaldt Mühlen (1898-1951)
- Julius Teutsch, Maschinenbau und Gießerei (1930-1953)
- Prerom Sacele, war die Auslagerung der Werkstatt für Bordgeräte und Armaturen der Flugzeugfabrik, Kern der späteren Electroprecizia (1934-1953)
- Seifen und Kerzenfabrik G. Eitel (1927-1949)
- Farola Kronstadt (Fabrica Româna de Laminate, später von METROM übernommen) (1923-1949)
- Wilhelm Tellmann Tuchfabrik (1864-1955)
- Süßwarenfabrik Hess (1899-1948)
- Franck Kaffeemühlen (1911-1951)
- Gummifabrik (1927-1953)
- Wattelinfabrik Ganzert (1927-1948)
- Dumitru Voina Fabrik (1912-1953), später Eisenbahnwaggons, Brainner Bela und zuletzt Schraubenfabrik
- Kabel- und Seilfabrik Ancora (1922-1951)
- Portland-Zementfabrik, später Temelia (1888-1951)
- Vass Pasta (Schuhcremefabrik) (1935-1942)

  Um 1900 bildete die Fabrikstraße ein kleines „Industriegelände" in fast rechtem Winkel zu der Fassade der Scherg-Tuchfabrik, entlang der heute eine unscheinbare Seitenstraße liegt, die bei ihrer Erschließung jedoch die Direktverbindung zu den Schiel-Werken bildete. Das andere Ende der Fabrikstraße verlief an der alten Papiermühle vorbei (die sich dort befand, wo heute die Feuerwehr am Fuße des Mühlenbergs liegt) und kreuzte dort die neue Plevnei-Straße die zum „Kleinen Bahnhof“ und der hier seit 1873 gebauten Bahnstrecke nach Schäßburg führte.
  Noch namenlos, bildete sich dort, wo hinter dem Mühlberg Bartholomä und Blumenau zusammentreffen, ein neues Wohn- und Gewerbeviertel von dem heute sehr viele Reihenhäuser in den nördlichen Teilen der Hintergasse Fabrikstraße, am Fuße des Mühlberges und in den Quergassen noch stehen. Von den damaligen Kleinunternehmen stand bis vor einem Jahr noch das Mühlenhaus der „Seewaldt“ Mühle. Heute stehen an der Stelle noch zwei zu Wohnhäusern umgebaute Mühlen. Die Gießerei welche davor stand, andere Werkstätten, wurden abgerissen als die Hochbauten des heutigen Grivitei-Viertels entstanden.
     Weniger zahlreich sind die aus den Jahren vor dem ersten Weltkrieg überlebenden Wohnhäuser zwischen Brunnengasse und Schneckenberg. Nur die Fassaden zu der Brunnengasse und ihrer Verlängerung bis zum Schielplatz zeugen von wohlhabenden Unternehmern. Der Teil der Stadt blieb Amts- und Verwaltungsgebäuden vorbehalten: Militärspital, Kaserne der Bergjäger, Gendarmerie und Gericht ließen weniger Platz für Reihenhäuser übrig. Der Bauboom begann hier mit einem/zwei Jahrzehnten später.
    Doch über die Entwicklungen in der Zwischenkriegszeit bis zu den heutigen 12 Stadtvierteln, in dem zweiten Teil unseres Beitrages.
Hans Butmaloiu 

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Foto 1: In einen Auszug des Stadtplanes von Gustav Treiber eingezeichnete Bereiche der Aufteilung Kronstadts in Quartale um 1500.
Foto 2: Auszug aus der Karte des Kronstädter Distriktes (Josephinische Landesaufnahme 1760/1780) mit den gut ausgeprägten Vierteln: Obere Vorstadt, Innere Stadt, „Plumenau“ und Bartholomä.Zwischen Schlossberg und Mühlberg waren Bartholomä und die Blumenau schon verbunden, seitlich des Mühlberges ist der Standort der Papiermühle angegeben bis zu dem sich auch Getreidemühlen befanden. Noch bildete der Tömöschkanal eine Einheit mit dem „Kurutzenwall“ durchbrochen am Ende der Brückengasse.
Foto 3: Auszug aus einem Stadtplan von 1922 mit dem Eisenbahngleis und den drei damaligen Bahnhöfen: oben der Bahnhof Bartholomä, rechts der Hauptbahnhof und auf halber Strecke zwischen den beiden, ohne Namensangabe im Plan, der „Kleine Bahnhof“, im Volksmund“Kühlwaroscher“ getauft.

Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (II)

Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (II)
Beitrag von Hans Butmaloiu
Die Quelle ist: ADZ Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien/Karpaten-Rundschau, der Erscheinungszeitraum war Mai 2015, Hans Butmaloiu ist Redakteur der Karpaten-Rundschau/Kronstadt (KR).

Der Wandel von Quartalen zu Stadtteilen Kronstadts im Zeitraffer

Kronstadt ist während des Ersten Weltkrieges von beiden kriegsführenden Lagern eingenommen (kampflos durch die rumänische Armee, nach schweren Infanteriesturm durch die österreich-ungarische Armee) worden und zuletzt vom Rumänischen Königreich durch den Friedensvertrag von Versailles zusammen mit ganz Siebenbürgen und dem Banat einverleibt. Doch Artilleriebeschuss der Zerstörungen hinterlassen hätte, oder eine massive Bevölkerungsflucht hat es nicht gegeben. Im Gegenteil, während der Kriegsjahre gab es sogar Erweiterungen im Eisenbahnwesen, hervorgerufen durch die benötigten größeren Transportkapazitäten. So kam es z.B. dazu, dass in den Schiel-Werkstätten Lokomotivenkessel zuerst repariert, später auch vollständig gebaut wurden. Das hatte wiederum als Folge, die Erweiterung des Wohnviertels zwischen der rechten Seite der Petersberger Straße und dem Bahnhof (Bild 1), ebenso wie ersten Querstraßen zwischen der Verlängerung der Bahnstraße und der sich bildenden Bukarester Straße, etwa bis zu der Abzweigung nach Zajzon. Zwar taucht gelegentlich in Reiseführern die schön korrekt dreisprachig sind auch die deutsche Bezeichnung Zuisendorf für Zizin auf, doch bekannt ist diese den meisten Kronstädtern nicht.   
Gegenüber dieser Gabelung, an der der Stadt abgewandten Seite des Schneckenbergs begann sich eines der großen Arbeiterviertel in Richtung Noua zu entwickeln, obwohl es schon damals, bei relativ geringer Leistung, dem Staub der Zementfabrik ausgesetzt war. Als Mittellinie, zwischen Zajzoner Straße und Schneckenberg verlief geradlinig bis nach Dirste die Bukarester Straße. Der Bereich zwischen dieser und der Zajsoner Straße wurde auch zu einem neuen Reihenhausviertel, von dem heute einige wenige Straßenzüge überlebt haben und zwar von dem Kreisspital bis hinter die Hochbauten des Marktes im Astra-Viertel, auf der linken Seite, Richtung Stadtausfahrt. Diese Straßenzüge links u. rechts der aus den 20er Jahren übrig gebliebenen Traian Straße wurde von Zuwanderern der Zwischenkriegsjahre erbaut und bewohnt, mehrheitlich in den Waggonwerken Astra (gemischtes Konsortium in dem auch die Bukarester Industriellendynastie Malaxa mitspielte, spätere Steagul Rosu/Roman) und den Metallwerken Farola beschäftigt. Getrennt, weit vorgelagert, ebenfalls auf der linken Seite der Bukarester Straße, jedoch schon nahe an den Astra Werken, entstand der Kern des heutigen Plattenbauviertels, die „alten Blocks“ von „Steagul Rosu“ wie sie heute noch genannt werden, ganz anders als die späteren Straßenzüge ausgerichtet und um einen künstlichen See gruppiert.      
Keines der beschriebenen Viertel hatte jedoch in den Zwischenkriegsjahren einen Eigennamen; sie wurden anhand ihrer Nähe zu den Fabriken oder Werken bezeichnet, oder, wie der sich bildende Ausläufer in das Ragado-Tal „beim Iepure“ nach einem Eigennamen.
In Fortsetzung, auf der anderen Seite der Zajzoner-Straße, im Rücken der schon wachsenden Ölraffinerie, der Teutsch-Fabrik und mehrere Holzwerke, wuchs schnell ein anderes Arbeiterviertel, bis zu dem Bahngleis in Richtung Bukarest in dem sich viele Eisenbahner ansiedelten. Grund war auch die Nähe zum Bahnhof und den ersten in den Zwischenkriegsjahren gegründeten Reparaturwerkstätten für Waggons und Eisenbahnloks.     
  Von Eisenbahnern und Angestellten der wachsenden Flugzeugfabrik bewohnt war das sich erweiternde Viertel um den Mittwochmarkt, in dem die Hauptstraßen schon bis hinter den Hauptbahnhof reichten.   
Doch am stärksten sollte sich der Stadtteil entwickeln der zwischen der Petersberger Straße und der Fabrikstraße liegt und durch den einst quer die Eisenbahnstrecken verliefen zu dem alten Bahnhof, den Seewaldt Mühlen und über eine andere Kreuzung, (nahe des heutigen Aurel Vlaicu und Petersberger Straße Kreisverkehrs) zu den Reparaturwerkstätten. Heute gehört dieser Teil zu Kreiter/Craiter.
Zwischen Aurel Vlaicu und Independen]ei (ursprünglich eine Verlängerung der Werkstraße zur Flugzeugfabrik) entstanden so manche Zweithäuser von Bewohnern der Inneren Stadt, die hier ursprünglich große Parzellen Boden hatten den sie manchmal auch nur zum Spaß bebauten.
In diesem Entwicklungsstadium kam der Zweite Weltkrieg der einen starken Ausbau der Öl- und Gummiverarbeitung, des Flugzeugbaues und des Umstiegs auf Waffenproduktion mit sich brachte. Die Luftangriffe 1944 trafen zwar die Flugzeug- und die Waggon- u. Kanonenwerke Astra schwer, ebenso auch die Ölraffinerie, doch gegenüber z.B. Ploiesti, kam Kronstadt noch knapp davon.
Der Umbruch nach dem Zweiten Weltkrieg und die Enteignungen von Groß- und Kleinunternehmen aber auch von Wohnungen bremsten erstmals die Stadtentwicklung für einige Jahre, sie sollte langsam, erst nach 1955, wieder in Gang kommen.      
    Was zeitgleich mit dem Kriegsende einsetzte, war eine Zuwanderungswelle und zwar nicht wie bis dahin, hauptsächlich aus den umliegenden Ortschaften, sondern aus der Moldau und der Region deren Bezeichnung uns die ganze Kindheit und Jugend begleitete: „dem Altreich“. Damit begann die Wohnungsnot die bis Mitte der 80er mit wechselnder Intensität halten sollte. Doch erstmals wurden Baulücken geschlossen, mit hässlichen „russischen Blocks“: Bukarester Straße, Traktoren-Viertel im Bereich des Marktes, zwischen Hintergasse u. Fabrikstraße (hinter der Gasgesellschaft), Petersberger Straße in etwa derselben Höhe wie sich der Mittwoch-Markt befindet, aber auch an anderen Standorten.
   Anfangs wurden anfangs keine Gebäude abgerissen (mit sehr wenigen Ausnahmen) um Neubauten Platz zu machen. Da die Wohnungsnot akuter wurde, erklärte man Kronstadt zeitweilig als „geschlossen“, Verfügung die von den volkseigenen Werken mit dem Trick der „Visum für Flotanten“ umgangen wurde. Die ersten Plattenbauviertel wurden nach einem Stadtplan von 1960 angelegt, Plan welcher öfters verändert wurde: die Verlegung des Hauptbahnhofes aus der Bahnstraße an den Rand des Freizeitparks vor dem Traktorenwerk dauerte etwa drei Jahre und die Verbindungsstraßen (heutige Garii und Victoriei) hatten nicht immer den jetzigen Verlauf.  
     Die Einweihung des heutigen Hauptbahnhofes fand am 23. August 1963 statt, doch die Verlegung der Gleise zu diesem Gebäude war schon Monate vorher abgeschlossen. Man hatte schon die alte Strecke geräumt und mit drei großen Bauprojekten begonnen: den Garii-Boulevard von der Petersberger Straße zum Bahnhof, ohne andere Abschnitte, den Saturn-Boulevard, dessen Ausbau erst nach 1970 fertig wurde und das Traktoren-Viertel. Letzteres war durch das Verlegen der Bahngleise in zwei Teile zerfallen: einer bestehend aus Reihenhäuser, der Stadt zugewandt um die Aurel Vlaicu Straße und einer aus Neubauten dessen Abgrenzung bis etwa 1980 die Independen]ei-Straße bleiben sollte. Die Verkehrsachse auf den Bahnhof zu, heute Bulevardul Victoriei, wurde in zwei Zügen gebaut: bis etwa 1970 die Hochhäuser rechts, wenn man Richtung Bahnhof blickt mit dem ursprünglich als Hotel geplanten „Caprioara“ Block und dem „Rapidul“ Selbstbedienungsladen. Dafür wurden wenig Bauten geopfert, die wenigen die weichen mussten, befanden sich gegenüber, im Bereich des Mesota-Lyzeums wo einst auch ein Sportplatz der Eisenbahner war. Demnach kann man sagen, dass vor 1980, Kronstadt je nach Zählweise, bis zu sechs Stadtviertel hatte, nicht klar abgegrenzt  und auch nur vage bezeichnet, zum Beispiel „bei den Gemenii“.
(Schluss folgt)
Hans Butmaloiu     

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Foto 1:Stadtplan von 1963, entnommen aus einem Reiseführer der Stadt. Gut sichtbar ist die geräumte Trasse der Eisenbahn welche heute den Grivitei-Boulevard bildet, den angelegten Garii-Boulevard, ohne den Bauten an der Ecke Faget und die noch fehlenden Durchbrüche der Victoriei- und Vlahuta-Boulevards. Im heutigen Astra-Viertel zeichnen sich gut die quer angelegten alten Wohnblocks ab. Archiv
Foto 2: Eine Aufnahme aus den Zwischenkriegsjahren von der Rückseite des Schneckenbergs aus. Im Vordergrund die Reihenhäuser entlang des Bergfußes und gleich dahinter die Staub spuckende Zementfabrik. Dahinter sieht man die ersten Wohnblocks des Viertels, heute Einfahrt zum Burggrund-Viertel Ragado). KR Archiv

Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (III)

Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (III)
Beitrag von Hans Butmaloiu
Die Quelle ist: ADZ Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien/Karpaten-Rundschau, der Erscheinungszeitraum war Mai 2015, Hans Butmaloiu ist Redakteur der Karpaten-Rundschau/Kronstadt (KR).

Der Wandel von Quartalen zu Stadtteilen Kronstadts im Zeitraffer

In den ersten Nachkriegsjahren machte sich auch in Kronstadt noch ein Drang der Stadtbewohner nach dem Bau von Familienhäusern bemerkbar, oft mit einem großen Anteil an Eigenleistung errichtet. Doch um die Hälfte der 50er Jahre wurde dieser Wunsch auf eigenen Besitzt mehr und mehr gebremst. Trotzdem sind auf diese Weise ganze Straßenzüge entstanden, die meisten davon in Randgebieten, dort wo Ackerboden als Baugrund der Stadt übernommen wurde. Heute bilden kleine Häuserblocks einsame Inseln, umgeben von Hochhäusern: im Norden der Stadt, jenseits des Bahngleises, von der Ausfahrt in Richtung Hermannstadt bis zu der in Richtung Schäßburg.
Bis zum Verlegen des Bahngleises von dem heutigen Grivitei-Boulevard auf das freie Feld zwischen der ehemaligen Gummifabrik und den damals ganz abseits liegenden Reparaturwerkstätten der Eisenbahn im Nordosten der Stadt, wurden Straßen wie die Aurel Vlaicu und ihre Neben- und Querstraßen ausgebaut oder neu angelegt. In diesem Teil gab es noch bis Mitte der 70er vereinzelte Grundmauern von Häusern die Bomben abbekommen hatten.
1962 ist der neue Bahndamm der das Tractorul-Viertel halbiert, aufgeschüttet worden und mit der Ruhe in dem entlegenen Viertel war es endgültig vorbei, zumal damals auch die Bahn-Überführung der Petersberger Straße entstand. Die Brücke gegenüber der Gummifabrik folgte und der Transitverkehr durch Kronstadt verlagerte sich in die Aurel Vlaicu-Straße, wo er bis nach 2000 bleiben sollte.  
Die meisten Privathäuser wurden aber im Kreiter/Craiter, beiderseits der Bahngleise gebaut, im gesamten Abschnitt zwischen der Honigberger und der Zajzoner Straße.  
Der große Bauboom der Plattenbauten, der die heutige Stadtaufteilung in Viertel prägt, wurde nach 1970 durch die Wohnblocks entlang des Victoriei-Boulevards, des Saturn-Boulevards und dem Vordringen in den Burggrund/Ragado richtig bemerkbar. Stadtteile aus denen man noch bis kurz vorher „in das Zentrum“ kommen musste, um z.B. die Telefonrechnung in dem heute verlassenen Gebäude, an den Marmortheken zu begleichen, hatten nun eigene Postämter: „beim Cosmos“ oder „neben den Gemeni“ hieß es in der Alltagssprache.
Während die Änderungen besonders sichtbar wurden die den „alten“ Schiel-Platz verschwinden ließen und das „neue Verwaltungszentrum“ anzudeuten begannen, blieben selbst radikale Erweiterungen des Wohngebietes in entlegeneren Stadtteilen nur den Anrainern/Bewohnern bekannt. Wer in den 80er Jahren in der Oberen Vorstadt wohnte, hatte oft keine Vorstellung von dem Ende der Buslinien im Burggrund oder in dem damals noch unfertigen „Triaj“-Viertel. Dass die Häuser in der Bukarester Straße samt den Pappeln nach und nach bis  Ecke zur Toamnei-Straße den Plattenbauten weichen mussten, sah man aus dem Bus im Vorbeifahren, ebenso wie die Neubauten in der Honigerberger Straße die sich über das Gelände des nunmehr „alten“ Bahnhofes mit denen der Verlängerung des Garii-Boulevards getroffen hatten. Mehrere Straßen verschwanden um dem Vlahuta-Boulevard Platz zu machen, doch dass zeitgleich die Noua mit der Dirste und über das LKW-Werk mit der Stadt verbunden wurden, ging fast unbemerkt unter. „Dort wo einmal ….... war“, wurde öfters verwendet.     
Gab es bis 1990 noch eine vage Orientierung anhand der im Volksmund verpassten Namen/Spottnamen/Spitznamen, so wurde diese nach 1990 unmöglich. Mündlich vorgebrachte Beschreibungen in der Art: „hinter der Mic{unica“, „gegenüber von Faget“ (cheia franceza war für Eingeweihte die das verlängerte „F“ an der Fassade der Kneipe genauso verspotteten, wie einst das Lamm Ecke Langgasse zu einem weiteren Festpunkt definiert worden war) setzte man anstelle der nicht bekannten/eindeutig definierten Namen von Stadtteilen ein.       
Der gesetzliche Rahmen der bis 1989 Verwaltungsbeschlüsse regelte, war noch gültig. Doch die Sorgen des Stadtrates waren nach 1990 ganz andere als das Definieren von Stadtteilen und die  Namensgebung: Erstmal mussten Lösungen her, um den Verkehr flüssiger zu machen, die Fernheizung und vor allem die Fertigstellung von (Schätzung von 1991) knapp 1.000 Wohnungen die sich in verschiedenen Baustadien befanden.
2002 trat ein Regierungserlass (Nr. 53/16. August) in Kraft der den Rahmen festlegte, innerhalb dessen sich eine Stadt eine eigene Satzung ausarbeiten darf. Laut Gesetz 351/2001, Absatz IV-a, galt Kronstadt schon als Munizipium des I. Ranges und hatte den Status einer Rechtsperson. Unter diesen Voraussetzungen beschloss der Stadtrat schon 2002 das von ihm verwaltete Areal in drei Einheiten aufzuteilen: die eigentliche Stadt, Biengärten/Stupini und die Schulerau. Laut dieser Satzung die seit 2002 gültig ist, wird Kronstadt in folgende Stadtviertel eingeteilt: 1) Innere Stadt/Centrul Vechi, 2) Verwaltungszentrum/Centrul Nou, 3) Bartholomä, nördlich des Bahngleises/Bartolomeu
Nord, 4) eigentliches Bartholomä/Bartolomeu, 5) ehemaliges Steagul Rosu/Astra-Viertel, 6) Kreiter/Florilor – Craiter, 7) Noua und Dirste gemeinsam/Noua – Dârste, 8) Gewerbegebiet Ost/Platforma Industriala Est – Zizin, 9) Obere Vorstadt/Prund – Schei, 10) Tractorul, 11) Rangiergelände der Eisenbahn - Honigberger Straße/Triaj – Harman, 12) Burggrund/Valea Cetatii,also zwölf Stadtviertel.
Biengärten und Umgebung, in der Satzung als „Zona Stupini“ definiert, ist das 13. Viertel des Munizipiums. Laut dem Gesetzt Nr. 2/1968 (Legea administratiei teritoriului) bilden die drei Einheiten gemeinsam das Munizipium Kronstadt.
 
Hinzuzufügen nach dieser Übersicht wären vielleicht noch welches die aktuellen Entwicklungen  wären. Seit etwa 2010 bieten mehrere Immobilienentwickler im Norden der Stadt, von Batholomä-Nord bis zum Gelände vor dem geschlossenen Kugellagerwerk, Wohneinheiten unterschiedlicher Größe an - von zwölfstöckigen Hochhäusern über Einheiten für 6-8 Appartements bis zu Einfamilienhäusern nach Vorlage oder Planung des Kunden. Konkret bilden diese heute Ressorts wie „Avantgarden“ in Bartholomä, oder den Auslöser dieses Beitrages, „Tractorul V“ (Bezeichnung die  eigentlich nur einen begrenzten „Immobilien-Block“, d.h. -gruppe, innerhalb des Viertels betrifft.
Und sollten Sie selbst einen Blick auf dieses im Augenblick neueste Viertel werfen wollen, so suchen Sie sich einen Fensterplatz in einem Bus der Linie 2 und fahren Sie einmal von einem Ende zum anderen (Postwiese - Rulmentul). Sie werden die Stadt vielleicht nicht mehr erkennen.

 Hans Butmaloiu      
Schluss   

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Foto 1: Leider gibt es bis heute keinen offiziellen Stadtplan von Kronstadt, in dem die Abgrenzungen der 12 Viertel angegeben sind. Wir haben deshalb auf einen digitalen Stadtplan eine farbige Hervorhebung aufgetragen: braun = Innere Stadt, gelb = Verwaltungszentrum, dunkelbraun = Bartholomä Nord, grau = eigentliches Bartholomä, blau = Astra, grün = Kreiter, orange = Noua und Dirste, = Gewerbegebiet Ost, schwarz = Obere Vorstadt, rot = Tractorul, Bahngleise = Rangiergelände der Eisenbahn - Honigberger Straße, rosa= Burggrund Bearbeitung: der Verfasser
Foto 2: Einst verlief die Stadtgrenan dieser Stelle: geradeaus befindet sich der Schiel-Platz, nach links öffnet sich die heutige Kastanienallee, nach rechts der Platz vor dem heutigen Städtischen Konzertsaal. 1940, als diese Aufnahme gemacht wurde, floss der Tömöschkanal schon unter des Straße und ganz rechts, an der Bildkante, ist die Zapfsäule und die Blechbude der einstigen Mobil Tankstelle auszumachen.

Wie viele Stadtviertel hat Kronstadt heute? (IV)

Wo liegen Tractorul VI und Tractorul VII?
Beitrag von Hans Butmaloiu
Die Quelle ist: ADZ Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien/Karpaten-Rundschau, der Erscheinungszeitraum war Mai 2015, Hans Butmaloiu ist Redakteur der Karpaten-Rundschau/Kronstadt (KR).

Eine Ergänzung zu dem dreiteiligen Beitrag in dem wir den Versuch unternommen haben, die heutigen Stadtviertel zu beschreiben, kam vergangenen Woche als der Stadtrat durch Abstimmung rund 99 neue Straßen „taufte“. Der letzte Beschluss mit der Fachbezeichnung „zonare“ (eine freie Übersetzung wäre vielleicht „Zonenaufteilung“) im Archiv des Stadtrates stammte von 2004 als die Liste der Straßen Kronstadts 637 Namen umfasste. 2014 sind es 736.
Dass sich die Stadt entwickelt und erweitert hat, sieht man mit bloßem Auge. Doch  wo genau die neu erschlossenen Straßenzüge liegen, dafür haben wir erst jetzt eine klare Übersicht zur Hand: mehr als drei Viertel der 99 neuen Straßen befinden sich in den Unterbezirken Tractorul VI und VII und in deren Verlängerung nach Biengärten/Stupini, entlang der Petersberger Straße. Sie verlaufen senkrecht zu der Petersberger Straße und parallel zu der Independentei Straße, welche noch vor dem Zweiten Weltkrieg angelegt wurde. Vier Häuserzüge nördlich davon – in Richtung Biengärten – liegen die Unterbezirke des Tractorul Viertels: entlang der Petersberger Straße sind es Hochhäuser, entlang der Bahnstrecke nach Schäßburg Reihenhäuser und Villen. Die vorerst letzte durchgehend bebaute Straße ist Ioan V. Socec, ihr folgt die vorläufig nur einseitig bebaute Ioan Popazu, gegenüber von dem Coresi-Einkaufszentrum.
Abschließend noch die Bemerkung, dass in den Abendstunden so gut wie alle Wohnungen der fertigen Hochhäuser beleuchtet sind - ein Beweis dafür, dass die Immobilienentwickler eine gute Hand für ihr Geschäft hatten. Der Villenteil des Viertels zeigt sich bei der Durchfahrt stark bepflanzt und, wenn man ihn mit einem Google-Dienst von oben betrachtet, kann man feststellen, dass fast ein Viertel der Residenzen auch ein Schwimmbecken haben.
Hans Butmaloiu
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Foto 1: Noch ragen aus dem Boden lahmgelegte Leitungen, einstiger Fernwärmeleitungen in dem Teil des Viertels wo schon die ersten Bäume gepflanzt sind. Fotos: der Verfasser
Foto 2: Die eine Straßenseite steht schon, gebildet aus Hochhäusern. Doch der Abschnitt freies Gelände davor ist schon aufgeteilt und soll bald bebaut werden. Ganz im Hintergrund des Bildes verläuft das Bahngleis nach Marienburg (von links nach rechts) Fotos: der Verfasser